Deutscher Meister im Bogenschießen: Emsländer Mathias Kramer holt Gold im Stechen
In Wiesbaden hat der Emsländer Mathias Kramer am Sonntag seinen ersten DM-Titel im Bogenschießen bei den Herren gewonnen. Der Recurve-Bogenschütze vom BSC Werlte setzte sich im Finale gegen Jonathan Vetter durch.
Das Stechen brachte die Entscheidung: Der Emsländer Mathias Kramer hat am Sonntag im Bogenschießen seinen ersten DM-Titel bei den Herren geholt.
Der Dauerregen in Wiesbaden konnte die Dramatik nicht dämpfen. Die Zuschauer harrten unter Regenschirmen aus, als Kramer seinen Bogen um 16.17 Uhr ein letztes Mal spannte. 70 Meter trennten den Emsländer vom gelben Zentrum der Zielscheibe. Ein kurzes Surren, das Klatschen der Sehne – der Pfeil schlug im Neuner-Ring ein. Kramer riss jubelnd die Arme hoch. Mit diesem Schuss im entscheidenden Stechen krönte sich der Recurve-Bogenschütze vom BSC Werlte zum neuen Deutschen Meister der Herren.
Mathias Kramer triumphiert gegen Jonathan Vetter
Im Finale kam es zum packenden Duell zweier Team-Europameister: Kramer traf auf seinen Nationalmannschaftskollegen Jonathan Vetter. Vetter erwischte den besseren Start und zog im Regen schnell auf 4:0 nach Satzpunkten davon. Doch Kramer zeigte Nerven aus Stahl. Der Emsländer behielt die Ruhe, nutzte eine Schwäche des Kontrahenten und glich über ein 29:29 schließlich zum 5:5 aus. Im alles entscheidenden Stechen legte Vetter eine Acht vor. Kramer benötigte eine Neun – und lieferte ab. „Ich wollte von dem weg, einen relativ entspannten Schuss zu machen. Ich wollte die Zehn schießen, dann ist man auf der sicheren Seite“, erklärte Kramer nach dem Triumph.
Für den Herßumer (Gemeinde Lähden) schloss sich in Wiesbaden ein Kreis. Bereits zweimal hatte er hier bei den Junioren den Titel gewonnen. „Es ist mein erster DM-Titel bei den Männern. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, zu gewinnen. Aber im zweiten Jahr bei den Männern zu zeigen, dass ich zu Deutschlands Spitze zähle, ist schön“, freute er sich. Am 25. September wird Kramer 23 Jahre alt.
Kramer: Vom Kindheitstraum zum Leistungssport
Gegenüber der Emslandsportredaktion ordnete der frischgebackene Meister den Erfolg gewohnt reflektiert ein: Er habe die DM vor allem als gelungenen Saisonabschluss erlebt, nach dem es nun in die wohlverdiente Pause gehe. Kramer nutzte das Turnier gezielt zur Weiterentwicklung: „Ich habe den Wettkampf genutzt, um noch mal mentale Sachen auszuprobieren und um einfach schießtechnisch in dem Wettkampf noch mal das Feine rauszukristallisieren, was wirklich noch Potenzial bringt, und einfach die Technik im Wettkampf weiter zu verfestigen.“ Es sei ihm auch darum gegangen, das Wettkampferlebnis mitzuspüren, was Sportler wie ihn immer wieder zu jedem Wettkampf reize.
Dass der gelernte Industriemechaniker, der in seiner Freizeit gerne auf dem Mountainbike sitzt, einmal an Deutschlands Spitze schießen würde, war nicht vorgezeichnet. Als er mit acht Jahren erstmals einen Bogen hielt, geschah das ohne große Karrierepläne. „Es war nie mein Ziel, Leistungssport zu machen. Das ist plötzlich in mein Leben gekommen“, erinnert er sich. Aus der Leidenschaft wurde Ernst. Großen Anteil daran hatte sein Werlter Heimtrainer Hermann Nortmann – selbst viermaliger Paralympics-Teilnehmer und sechsfacher Goldmedaillengewinner. Nortmann impfte Kramer ein, sich die Ziele stets hoch genug zu stecken.
Kramer zieht nach München
Der Weg verlief jedoch nicht frei von Rückschlägen. Seit April 2023 ist Kramer Sportsoldat bei der Bundeswehr. Doch der große Traum von den Olympischen Spielen 2024 in Paris erfüllte sich nicht. Kramer verarbeitete die Enttäuschung mit Ehrgeiz: Im Mai 2026 holte er mit dem deutschen Team in Antalya EM-Gold.
Nun folgt der nächste Karriereschritt: Aus sportlichen Gründen zieht der Emsländer nach München an den Bundesstützpunkt. Als Sportsoldat bleibt sein Fokus voll auf den Spitzensport gerichtet – der DM-Titel dürfte erst der Anfang sein.
Bericht NOZ/Dieter Kremer


